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    Fotos: Franz Holzer, Virgen

OpferwidderUm 1620 wütete der Schwarze Tod in ganz Tirol. Jeder Dritte wurde von ihm hinweg gerafft. Auch in Virgen waren Not und Angst riesengroß. Mit Gebeten und Gelöbnissen wollten die Leute der Pest Herr werden, denn menschliche Hilfe gab es nicht.

Eine Bittprozession von Obermauern nach Virgen hielt beim Bildstöckl auf halbem Weg und betete zum Allerheiligenkirchlein. Da sahen die Leute plötzlich hinter den Zäunen einen großen Sensenmann aus dem Wald treten, der sein Werkzeug gegen das Tal hin schwang. Ein Schrei, ein Stoßgebet bei den Umstehenden, dann kam aus der Richtung der Obermaurer Kirche ein großer weißer Widder, stürzte sich auf den Sensenmann, und nach dem dritten Stoß klapperte das Knochengestell in sich zusammen.

Von da an beschlossen die Leute, alljährlich einen schönen, weißen, ungeschorenen, drei Jahre alten Widder in einer Prozession von der Wallfahrtskirche Obermauern nach Maria Lavant zu führen und dort zu opfern.

opferw-2011_10Das Gelöbnis wurde zu wenig ernst genommen. Die Pest kam wieder. Die Särge standen von der Virger Friedhofsmauer weit wegeinwärts nach Niedermauern. An der Stelle, wo der letzte Sarg stand, wurde ein Kapellenbau gelobt und das Widderopfer erneuert. Das Bildstöckl zwischen Virgen und Niedermauern wurde gebaut. Es enthält in grober Malerei ein Bild der Heiligen Dreifaltigkeit mit der Opferung des Widders und im unteren Teil die Prozession und den Kampf des Widders mit dem Sensenmann. Dazu lautet die Inschrift: "1635 ex voto".

Das Widderopfer aber wird mit der Gemeinde Prägraten bis auf den heutigen Tag eingehalten.

Dieser Text stammt von Peter Thomas Ruggenthaler aus dem "Virgen Buch" (Louis Oberwalder, 1999)

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Das Leben ist ein beständiges Labyrinth,

Ankommen und Aufbrechen, zur Mitte finden und sie wieder verlassen,sich wenden müssen und doch weiterkommen.“

Das Labyrinth als  Symbol für den schwierigen und verschlungenen Lebensweg  des Menschen gehört zu den ältesten symbolischen Zeichen der Menschheit. Seit tausenden von Jahren existiert es in den verschiedensten Kulturen der Welt.



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Der Weg

im Labyrinth führt in vielen Windungen und Umwegen zur Mitte und von dort auf demselben Weg wieder hinaus.
Von je her ist das Labyrinth ein Ort der Selbsterfahrung und Meditation, aber auch eine Stätte für kultische Rituale, Spiel und Tanz. (z.B. Kranichtanz in der Antike, Ostertanz in der Gotik)  In der Kunst begegnet einem das Labyrinth  in vielfältiger Weise als Schmuck und Zierde.

In der Gotik wurde das Labyrinth ein wichtiger Teil der christlichen Symbolik und findet sich in vielen Kirchen dieser Zeit. (z.B. in der Kathedrale von Chartres und im Dom zu Ravenna) 

Der  Weg im christlichen Labyrinth orientiert sich an der Kreuzform, die Kreuzbalken zwingen zum Innehalten, Wenden und Umkehren. In der Mitte finden sich christliche Symbole, hinweisend auf Christus, Ziel und Mittelpunkt des Lebens.



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Das Virger Steinlabyrinth

Das Virger Steinlabyrinth ist ein klassisches, christliches Labyrinth  mit der Kreuzform und 7 Umgängen. Eingang und Ausgang sind derselbe Weg. Es  liegt an einem besonderen Ort, der eine intensive Ausstrahlung von Ruhe und  Frieden hat. Deshalb findet sich in der Mitte das Friedenszeichen.

Friede, innnere Ruhe und Gelassenheit möge der Beucher auf dem Weg zur Mitte finden und neue Kraft und Zuversicht sammeln für den Weg zurück in den Alltag.

Das Virger Steinlabyrinth wurde in den Jahren 2002 und 2003 auf dem ehemaligen "Schießstand" als Gemeinschaftsprojekt von Pfarre, Gemeinde und Privatpersonen errichtet.



Prof. G. FuetschSeine Frau, Theresia Fuetsch schreibt in der Biographie:

Gottfried Fuetsch, geboren am 8. Jänner 1909, war unverkennbar ein Sohn der Tiroler Bergwelt. Denken wir an diesen Mann zurück, erinnern wir uns an eine ausgeprägte, etwas eigenwillige Persönlichkeit, geformt von bäuerlcher Herkunft und dem starken Einfluß seiner Heimat. 

Schon in jungen Jahren spürte Fuetsch Freude am gestalterischen Schaffen. Er mußte schwere körperliche Arbeit auf sich nehmen, um eine seiner Begabung gemäße Ausbildung beginnen zu können. Er teilte das karge und harte Leben der Bergbauern in seiner engeren Heimat, bis es ihm als Zwanzigjährigen möglich war, im Defreggental eine damals vom Bildhauer Bruno Costa geleitete Landesschnitzschule zu besuchen. In dieser Zeit erwarb er sein vielseitiges technisches und handwerkliches Können und zählte zu den begabtesten Schülern. Anschließend ging er in die Staatsgewerbeschule nach Innsbruck, wo er Schüler von Prof. Hans Pontiller wurde, welcher vielen Tiroler Künstlern den Weg zu sauberer und ernsthafter Arbeit wies. 

Es folgten Studienjahre an der Akademie München, welche durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges unterbrochen wurden. Nach einigen Jahren Wehrdienst kehrte Fuetsch nach Osttirol zurück, um sich am elterlichen Hof, in einem kleinen Zubau dem Künstlerberuf zu widmen. Der Beginn dieser Laufbahn war schwierig, aber Fuetsch glaubte an sich und seine Begabung, und es spricht für seine Ernsthaftigkeit, dass er als Vierzigjähriger sein durch den Krieg unterbrochenes Studium wieder aufnahm und 1950 beim Tiroler Professor Santifaller an der Akademie der Bildenden Künste in Wien mit dem Diplom eines akademischen Bildhauers seine Ausbildung endgültig beendete. Er kehrte wieder zurück nach Virgen in Osttirol, der Heimat dieses Mannes, die ihn nie losgelassen hat und immer wieder die Geborgenheit und das Leben bot, das ihm genügte.

Mit großer Energie und Schaffensfreude arbeitete er nun in der Abgeschiedenheit des Virgentales am Aufbau einer Existenz. Hinter seiner Bescheidenheit steckte eine fast fanatische künstlerische Besessenheit und schon sehr bald wurde der Name Fuetsch über die Grenzen der Heimat bekannt. Die Kirche und das Land Tirol waren Auftraggeber der ersten größeren Werke und es wurde möglich, ein zweckmäßiges Atelier zu bauen.

Obwohl in Virgen lebend, hat dieser Künstler sehr kritisch die zeitgenössische Kunstszene beobachtet, er blieb offen für viele Formprobleme, erzielte eine bemerkenswerte Entwicklung bis hin zum Kubismus und in der 5 m hohen Großplastik "Christophorus" hat er diese Kunstrichtung bildhauerisch erstmals nach Osttirol gebracht. Fuetsch strebte einer expressiven Gestaltung zu. Sein Schaffen stand unter einem inneren Gebot, sein Gestaltungstrieb reifte in Jahrzehnten unermüdlicher Arbeit zu einer Meisterschaft heran, die vielleicht gerade in der heutigen Zeit des Experimentierens, des Suchens nach Neuem, Sensationellem anerkennende Berechtigung hat. Besonders die Werke seiner letzten zwei Lebensjahrzehnte vermitteln dem Betrachter in ihrer Geschlossenheit und rhytmischen Form Lebensfreude und Ruhe. Fuetsch arbeitete sehr viel und gerne in Linden- und Lärchenholz, er begann 1956 mit seiner Großplastik das Material "Stein" zu schätzen und interessierte sich im letzten Jahrzehnt seines Lebens intensiv für die Gestaltung von Figuren in Bronze. 

In seinem künstlerischen Nachlass befinden sich auch eine Vielzahl bemerkenswerter Werkzeichnugen von hoher Qualität. 

Prof. Dr. Fritz Prior, langjähriger Kulturreferent des Landes Tirol hat in einer Würdigung über Fuetsch unter anderem geschrieben: "Es entstand aus vielen hervorragenden Arbeiten ein Lebenswerk, das diesen Mann zu den besten Bildhauern Tirols reiht." Ehrungen wurden diesem Künstler zuteil von höchster staatlicher Stelle, als er vom Bundespräsidenten den Titel "Professor" verliehen bekam. Geehrt wurde er auch von seiner Heimatgemeinde Virgen, welche ihm die Ehrenbürgerschaft verliehen hat. 

Als Mensch war er ein feiner, friedliebender Mann, mit feinsinnigem Humor begabt, der immer versucht hat, ethische und religiöse Werte zu leben und zu pflegen. 

Gottfried Fuetsch gab am 18. April 1989 ein reich erfülltes Leben seinem Schöpfer zurück und fand, von einer großen Trauergemeinde begleitet, auf dem Friedhof in Virgen seine letzte Ruhestätte.

 


 

In der Bildergalerie finden Sie Fotos einiger Werke des Künstlers.

bildstockAm Westende von Virgen zweigt nordseitig der alte Weg nach Obermauern ab. Er ist ein sehr alter und viel begangener Wallfahrtsweg, auf dem 14 Stationskreuze zur bekannten Wallfahrtskirche "Maria Schnee" hinführen. 

In den letzten Jahren erfuhr der Kreuzweg, der durch eine wunderbare Kulturlandschaft führt, umfangreiche Sanierungsmaßnahmen, unter anderem wurden Lesesteinmauern erneuert, einheitliche Holzzäune errichtet, das Kötterle und das Bildstöckl fachkundig saniert. 

 

 


Die Geschichte

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führt zurück auf eine Initiative des Tierarztes Alois Stadler aus Welzelach, der im Jahr 1890 die Kreuze aufstellte. Die Stationsbilder wurden vom heimischen Künstler Alois Weiskopf dem Älteren angefertigt. 

Seit dem Jahre 1930 wurden die alten Lärchenholzkreuze von Familien aus Obermauern und Welzelach erhalten. Vereinzelte Erneuerungen und Sanierungen der Stationen haben im Laufe der Zeit zu einem uneinheitlichen Gesamtbild geführt.

alter Kreuzweg

Daher wurde der Wunsch nach einer einheitlichen, attraktiven und zeitgemäßen Gestaltung des Pilgerweges immer wieder an Pfarre, Gemeinde und an die Stationserhalter herangetragen. 

Eine Arbeitsgemeinschaft "Kunstprojekt Kreuzweg Virgen Obermauern", der neben den Erhaltern der Stationen auch Vertreter der Pfarre und der Gemeinde angehörten, nahm sich 2007 des ehrgeizigen Projektes - der Erneuerung des Kreuzweges von Virgen nach Obermauern - an. 

 

  

 


 

Das Kunstprojekt

Relief

Vom ursprünglichen Gedanken, die bestehenden Kreuze zu sanieren, kam die ARGE nach Gesprächen mit vier Virger Holz- und Steinbildhauern auf die Idee, ein künstlerisches Gemeinschaftswerk zu realisieren und damit einen neuen Weg zu gehen.

Mit diesem Projekt wurde den Künstlern gleichzeitig die Möglichkeit geboten, ein einzigartiges Kunst- und Kulturerbe in ihrer Heimatgemeinde zu schaffen.

 

 

knstler kreuzwegIn vorbildlicher Gemeinschaftsarbeit gestalteten Michael Fuetsch, Michael Lang, Alois Weiskopf und Virgil Fuetsch einen gelungenen Vorschlag, der die einhellige Zustimmung der ARGE fand. 

Im Juli 2008 wurden die einzelnen Stationen errichtet, die Einweihung erfolgte am Hohen Frauentag (15. August) 2008.

 


 

Ein Gesamtkunstwerk

stationDer Kreuzweg ist als Gesamtkunstwerk zu betrachten und besteht aus 14 einzelnen Stationen, ergänzt durch die "Auferstehung", eine 15. Station vor der Wallfahrtskirche. In ihrer Ausführung gleichen sich die einzelnen Stationen: Mit Serpentin und Bronze wurden Ausgangsmaterialen verwendet, die Eleganz und Monumentalität in sich vereinen.

Serpentin hat sich für die Verwendung geradezu angeboten, da es sich dabei um einen heimischen Stein handelt, der durch seine grüne Farbe, seine Maserung sowie auch seine Witterungsbeständigkeit besticht. Die etwa zwei Meter hohen geradlinigen Steinblöcke symbolisieren Klarheit und Kraft und stehen für den starken Glauben, der aus der Erde entspringt. 

Die Skulpturen können auch als Fels in der Brandung gedeutet werden. Die einzelnen Kreuzwegszenen werden in Bronzereliefs dargestellt, die direkt auf dem grünen Serpentin angebracht sind, der Hintergrund dafür ist teilweise poliert. Bei den Reliefs lag die Herausforderung darin, den richtigen Weg zwischen Tradition und Moderne zu finden. Laut Aussage der Künstler ist die Zusammenarbeit mit außenstehenden Personen und das Feedback der Bevölkerung dafür eine wertvolle Hilfe gewesen. 

text IAuch der Standort der Stationen war mit Bedacht auszuwählen. Die Geradlinigkeit der Skulpturen im Vordergrund und die Monumentalität der umliegenden Bergformationen im Hintergrund ergeben ein abgerundetes Gesamtbild und nicht zuletzt auch eine hervorragende Fotokulisse. 

Meditationstexte auf den Serpentinquadern - von Altbischof Reinhold Stecher verfasst - sollen die WallfahrerInnen zum Verweilen und Innehalten einladen.

 


 

Unsere Kreuzwege

behandelte der Ortschronist OSR Otfried Pawlin in einer Ausgabe der Virger Heimatblätter ausführlich.

Hier werden alle Kreuzwege in der Gemeinde 
* in den Kirchen und Kapellen sowie die
* wanderbaren beschrieben.

Virger Heimatblätter Nr. 9, 2013 >>

Zusätzliche Informationen