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Virger Bürgermobil 

Viele der Überlegungen im Zusammenhang mit Mobilität sind heute Überlegungen zur Geschwindigkeit. Technische Aspekte überwiegen, Mobilität, die an und für sich etwas Wünschenswertes darstellt, verkommt zur Frage des Transportes, der Logistik und zu guter letzt zur Frage des Geldes, der Finanzierbarkeit.

Aus einer urbanen Sichtweise heraus, wo alle diese Überlegungen ja schon seit langer Zeit bestehen, aus der Erfahrung eines Lebensraumes mit vielfältigem Angebot, aus der Betrachtungsweise des Zentralraumes in Tirol könnte der Eindruck entstehen, Mobilität ist nur eine Angelegenheit der Pendler, Urlaubsreisenden und der Transportlogistiker.

Doch dem ist nicht so!

Da gibt es ein kleines Seitental irgendwo in Tirol, eine Gemeinde mit zahlreichen Ortsteilen, Weilern und Fraktionen – verstreut liegend zwischen 1.000 und 1.600 Meter Seehöhe – mit einem Straßennetz von etwa 50 km Länge. Viele fallen uns da ein.

Eine Gemeinde mit knapp über 2.000 Einwohnern, zahlreichen Auspendlern, geringer Finanzkraft. Auch solche gibt es einige in Tirol. 

Die Gemeinde VIRGEN im Osttirol hat ein Projekt realisiert, das Mobilität für den ländlichen Raum neu definiert – das Virger Mobil.

„Das Virger Mobil ist ein PKW mit Chauffeur, der tagsüber von Montag bis Freitag zur Verfügung steht. Am Vormittag werden zwei fixe Runden gefahren, am Nachmittag funktioniert der PKW als „Ruf-Bus“. BürgerInnen können dann über Anruf das Auto für Zielorte innerhalb der Gemeinde bestellen. Der Fahrtkostenbeitrag beträgt 1 Euro pro Fahrt, eine Berechtigungskarte ist Voraussetzung für die Nutzung des Mobils. Leitgedanke des Virger Mobils ist ein umweltfreundliches Mobilitätsangebot zu schaffen. Hol- und Bringfahrten in der Gemeinde, beispielsweise zum Arzt oder in die Apotheke, sollen „nicht mehr einsam, sondern gemeinsam“ durchgeführt werden. Aber auch die Mobilität von älteren Personen und Personen ohne Auto soll gesteigert werden. 26 Freiwillige übernehmen die Chauffeurdienste.“ – so die Projekt-Kurzbeschreibung.

Der Gemeinde Virgen ist es nach Ansicht der Jury gelungen, ein Projekt zu entwickeln und umzusetzen, das für die Mobilität im Ländlichen Raum als Richtung weisend und Beispiel gebend zu bezeichnen ist. Durch die Einbindung der Bevölkerung, durch die Beteiligung der Freiwilligen, die den Fahrdienst übernehmen, erfährt die Mobilität einen starken sozialen und kommunikativen Aspekt. Die Herangehensweise, Entscheidungsfindung, insbesondere aber die Umsetzung ist unkonventionell und innovativ.

Aus diesem Grund geht die Gemeinde Virgen beim Tiroler Umweltpreis 2005 mit Ihrem Projekt „Virger Bürgermobil“ in der Kategorie Gemeinden als Sieger hervor.

Es ist dem „Virger Mobil“ zu wünschen, dass es entsprechend den Intentionen auch angenommen wird. Die Virger mögen mobil bleiben, auch in dem Sinne, dass sie beweglich bleiben, sich den Herausforderungen im Ländlichen Raum auch in Zukunft in einer solchen Weise, in einer solch´ kreativen Art stellen.

Herzliche Gratulation und weiterhin viel Erfolg - und Durchhaltevermögen.

Alles Gute.