Handel & Gewerbe

Prof. G. FuetschSeine Frau, Theresia Fuetsch schreibt in der Biographie:

Gottfried Fuetsch, geboren am 8. Jänner 1909, war unverkennbar ein Sohn der Tiroler Bergwelt. Denken wir an diesen Mann zurück, erinnern wir uns an eine ausgeprägte, etwas eigenwillige Persönlichkeit, geformt von bäuerlcher Herkunft und dem starken Einfluß seiner Heimat. 

Schon in jungen Jahren spürte Fuetsch Freude am gestalterischen Schaffen. Er mußte schwere körperliche Arbeit auf sich nehmen, um eine seiner Begabung gemäße Ausbildung beginnen zu können. Er teilte das karge und harte Leben der Bergbauern in seiner engeren Heimat, bis es ihm als Zwanzigjährigen möglich war, im Defreggental eine damals vom Bildhauer Bruno Costa geleitete Landesschnitzschule zu besuchen. In dieser Zeit erwarb er sein vielseitiges technisches und handwerkliches Können und zählte zu den begabtesten Schülern. Anschließend ging er in die Staatsgewerbeschule nach Innsbruck, wo er Schüler von Prof. Hans Pontiller wurde, welcher vielen Tiroler Künstlern den Weg zu sauberer und ernsthafter Arbeit wies. 

Es folgten Studienjahre an der Akademie München, welche durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges unterbrochen wurden. Nach einigen Jahren Wehrdienst kehrte Fuetsch nach Osttirol zurück, um sich am elterlichen Hof, in einem kleinen Zubau dem Künstlerberuf zu widmen. Der Beginn dieser Laufbahn war schwierig, aber Fuetsch glaubte an sich und seine Begabung, und es spricht für seine Ernsthaftigkeit, dass er als Vierzigjähriger sein durch den Krieg unterbrochenes Studium wieder aufnahm und 1950 beim Tiroler Professor Santifaller an der Akademie der Bildenden Künste in Wien mit dem Diplom eines akademischen Bildhauers seine Ausbildung endgültig beendete. Er kehrte wieder zurück nach Virgen in Osttirol, der Heimat dieses Mannes, die ihn nie losgelassen hat und immer wieder die Geborgenheit und das Leben bot, das ihm genügte.

Mit großer Energie und Schaffensfreude arbeitete er nun in der Abgeschiedenheit des Virgentales am Aufbau einer Existenz. Hinter seiner Bescheidenheit steckte eine fast fanatische künstlerische Besessenheit und schon sehr bald wurde der Name Fuetsch über die Grenzen der Heimat bekannt. Die Kirche und das Land Tirol waren Auftraggeber der ersten größeren Werke und es wurde möglich, ein zweckmäßiges Atelier zu bauen.

Obwohl in Virgen lebend, hat dieser Künstler sehr kritisch die zeitgenössische Kunstszene beobachtet, er blieb offen für viele Formprobleme, erzielte eine bemerkenswerte Entwicklung bis hin zum Kubismus und in der 5 m hohen Großplastik "Christophorus" hat er diese Kunstrichtung bildhauerisch erstmals nach Osttirol gebracht. Fuetsch strebte einer expressiven Gestaltung zu. Sein Schaffen stand unter einem inneren Gebot, sein Gestaltungstrieb reifte in Jahrzehnten unermüdlicher Arbeit zu einer Meisterschaft heran, die vielleicht gerade in der heutigen Zeit des Experimentierens, des Suchens nach Neuem, Sensationellem anerkennende Berechtigung hat. Besonders die Werke seiner letzten zwei Lebensjahrzehnte vermitteln dem Betrachter in ihrer Geschlossenheit und rhytmischen Form Lebensfreude und Ruhe. Fuetsch arbeitete sehr viel und gerne in Linden- und Lärchenholz, er begann 1956 mit seiner Großplastik das Material "Stein" zu schätzen und interessierte sich im letzten Jahrzehnt seines Lebens intensiv für die Gestaltung von Figuren in Bronze. 

In seinem künstlerischen Nachlass befinden sich auch eine Vielzahl bemerkenswerter Werkzeichnugen von hoher Qualität. 

Prof. Dr. Fritz Prior, langjähriger Kulturreferent des Landes Tirol hat in einer Würdigung über Fuetsch unter anderem geschrieben: "Es entstand aus vielen hervorragenden Arbeiten ein Lebenswerk, das diesen Mann zu den besten Bildhauern Tirols reiht." Ehrungen wurden diesem Künstler zuteil von höchster staatlicher Stelle, als er vom Bundespräsidenten den Titel "Professor" verliehen bekam. Geehrt wurde er auch von seiner Heimatgemeinde Virgen, welche ihm die Ehrenbürgerschaft verliehen hat. 

Als Mensch war er ein feiner, friedliebender Mann, mit feinsinnigem Humor begabt, der immer versucht hat, ethische und religiöse Werte zu leben und zu pflegen. 

Gottfried Fuetsch gab am 18. April 1989 ein reich erfülltes Leben seinem Schöpfer zurück und fand, von einer großen Trauergemeinde begleitet, auf dem Friedhof in Virgen seine letzte Ruhestätte.

 


 

In der Bildergalerie finden Sie Fotos einiger Werke des Künstlers.