Brauchtum

opferw-2011 03Der Virger Opferwidder

Am Weißsamstag, so nennt sich der erste Samstag nach Ostern, findet sie alljährlich statt, die Widderprozession zur Wallfahrtskirche Maria Schnee. Im Ortsteil Obermauern treffen die zwei Bittprozessionen aus Prägraten und aus Virgen zusammen. Eine der beiden Gemeinden führt einen weißen Widder mit sich, der mit Bändern und Blumen geschmückt ist. Gemeinsam ziehen sie hinauf zur Wallfahrtskirche Maria Schnee, wo das „Opfertier“ nach altem Ritual vor der Messe dreimal um den Altar geführt wird. 

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Jedes Jahr übernimmt eine Fraktion von Virgen oder Prägraten die Haltung des Opferwidders. Ein Bauer hat die ehrenvolle Aufgabe, den weißen gehörnten Steinschafwidder zu halten, zu pflegen und ihn für den großen Auftritt vorzubereiten. Der Halter hatte früher das Recht, in der Gemeinde als Entschädigung den „Widderweizen“ einzusammeln, heute erhält er eine finanzielle Entschädigung.

Hier finden Sie einige Bilder zur Opferwidderprozession 2015 >>

Das Virgentaler Opferwidder-Brauchtum gründet sich auf ein Verlöbnis aus dem 17. Jahrhundert. Damals herrschte in der Region eine verheerende Pestepidemie. Laut Überlieferung haben die Virger und Prägratner in ärgster Not Zuflucht zu Gott gesucht und eine jährliche Prozession mit einem weißen Widder nach Lavant verlobt, um von der Pest erlöst zu werden. Ein Votivbild in der Obermaurer Kirche, das einen gegen den Tod kämpfenden Widder darstellt, zeugt von diesem immerwährenden Verlöbnis.

Seit 1920 wird der „Lauantwidder“, wie er umgangssprachlich noch immer bezeichnet wird, nicht mehr nach Lavant, sondern nach Obermauern geführt. Wurde das Tier in früherer Zeit nach der Messe versteigert, so ist man jetzt zum Losverkauf übergegangen. Der Gewinn daraus kommt heutzutage den Pfarrgemeinden von Virgen und Prägraten a.G. zu Gute. Der glückliche Gewinner darf den Widder behalten oder weiterverkaufen.

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Das Brauchtum des Virgentaler Opferwidders wurde von Generation zu Generation weitergegeben, hat sich im Laufe der Jahrhunderte gewandelt und der Zeit angepasst. Sind viele ähnliche Traditionen in anderen Orten im Laufe der Zeit abgekommen, so hat die des Virgentaler Opferwidders die Jahrhunderte überlebt und wird auch künftig von den Gläubigen fortgeführt werden. Während der gemeinschaftliche Zug in der Vergangenheit etwa dabei half, die traumatischen Erfahrungen von Seuchen zu bewältigen, dient er heute der Stärkung der Dorfgemeinschaft und wohl auch der Identität. Die Opferwidderprozession ist ein lebendiges Beispiel für Brauchtum, das noch gebraucht wird.

Immaterielles Kulturerbe der UNESCO

Die Bedeutung dieses ins Mittelalter zurückreichenden Brauches wurde 2015 durch die Anerkennung als Immaterielles Kulturerbe der UNESCO gewürdigt. 

2012-opferwidder 31-fhDie Anerkennung des Virgentaler Opferwidders als „Immaterielles Kulturerbe“ erfolgte auf Antrag der Bürgermeister der beiden Gemeinden, Dietmar Ruggenthaler und Anton Steiner. Eine Empfehlung zur Aufnahme gab auch Universitätsprofessor Dr. Olaf Bockhorn. Der Ethnologe mit engem Virgenbezug hat sich eingehend mit dem Brauch beschäftigt und eine ausführliche Dokumentation verfasst. Solche gibt es auch von dem aus Virgen stammenden Volkskundler Mag. Reinhard Bodner und dem Leiter des Innsbrucker Volkskunstmuseums Mag. Karl C. Berger.

DDr. Thomas Peter Ruggenthaler hat die Sage im "Virgen Buch" von Louis Oberwalder (1999) folgend dargestellt: Der Virger Opferwidder >>