Wegen der klimatisch günstigen Lage wurde Virgen schon sehr früh besiedelt. Durch Gräberfunde in Welzelach ist die Besiedlung ab der Hallstattzeit (1.000 bis 500 vor Chr.) belegt.

Die Situla von Welzelach

Virgen ist mit dem Gräberfund von Welzelach in die Geschichte eingegangen! 

1889 fand der Motherbauer im Weiler Berg eine verrostete Lanzenspitze, die er achtlos wegwarf, im Jahr darauf hob er beim Pflügen eine Steinplatte an, unter der ein Brandgrab zum Vorschein kam. Bei systematischen Grabungen stieß man dann auf 56 Gräber mit mehreren Beigaben wie Lanzenspitzen, Messer und Beile aus Eisen, Ringe, Armreifen und Fibeln aus Bronze und Bruchstücke aus Ton. 
Das Glanzstück, die "Situla von Welzelach", ist ein kleiner verzierter Eimer aus Bronze. Sie stammt wie die anderen Fundgegenstände aus dem 5. oder 6. Jahrhundert v. Chr. und ist der älteren Eisenzeit (Hallstattzeit) zuzuordnen. 
Weitere Fundstellen auf der Obermaurer Burg und in Mitteldorf weisen ebenfalls auf eine vorchristliche Besiedelung hin.

Kelten, Römer, Slawen, Bayern

Um 500 v. Chr. gelangten vom Westen her die Kelten zu uns, sie gründeten mit den Illyrern im Draugebiet das Königreich der Noriker. 

Römische Münzfunde auf der Burg und in Obermauern belegen die Romanisierung des Virgentales. 

Im 6. Jahrhundert n. Chr. besiedelten die vom Osten kommenden Slawen das Gebiet südlich der Hohen Tauern. Davon zeugen die Orts- und Flurnamen auf -itz und -ach wie Welzelach, Göriach, Haslach, Mellitz, Mullitz ... 

Bis ins 11. Jahrhundert n. Chr. erfolgte eine durchdringende Germanisierung durch anhaltende bayrische Zuwanderung. Die Bayern bewirtschafteten bereits die Alm- und Bergwiesenregion.

Die Grafen von Görz

Im Mittelalter gehörte Virgen als "Zugericht" zum Landesgericht Lienz, das von den Görzer Grafen auf Schloß Bruck verwaltet wurde. 

Rabenstein war der Sitz der jeweiligen Gerichtspfleger. Nach dem Aussterben der Görzer fiel das Gebiet im Jahr 1500 an Kaiser Maximillian I., der es Michael von Wolkenstein verpfändete. 

Anfang des 17. Jhdts. kam die Herrschaft Lienz wieder unter landesfürstliche Gewalt, wurde aber 1653 dem Haller Damenstift als Pfand übergeben und verblieb unter dessen Verwaltung bis zur Auflassung des Stiftes 1783. Von da an waren die Habsburger für Lienz mit dem "Zugerichten" Lienzer Klause, Kals und Virgen zuständig.

Das Gericht auf Schloss Rabenstein

Die in 1.400 m Höhe auf dem steil abfallenden Hügel oberhalb von Mellitz stehende Burg Rabenstein wurde vermutlich im 12. Jahrhundert erbaut, eine erste urkundliche Nennung als "Schloß Rabenstein" stammt von 1333. 

Auf der groß ausgebauten "Burg ze Virge" saß jeweils ein Pfleger (Verwalter und Richter) des Gerichtes von Virgen, zu dem auch Prägraten und St. Jakob in Defreggen gehörten. 

Mit kräftiger Unterstützung des Pflegerehepaares und des Kaplans von Rabenstein wurde von der Görzer Bauhütte in Obermauern  ein vorhandenes, romanisches Gotteshaus im spätgotischen Stil umgebaut (Bauzeit: 1431 - 1456) und vom Görzer Hofmaler Simon von Taisten mit Fresken geschmückt. 

Als die Burg Mitte des 17. Jhdts. nach einem Brand baufällig wurde, kaufte die Gemeinde ein Haus im Dorf (den heutigen "Neuwirt") und baute es zur Pflegerwohnung aus. 1746 wurde das vom Haller Damenstift erbaute heutige Gemeindehaus fertiggestellt, sodass der Pfleger seinen Amtssitz hierher verlegen konnte. Von 1820 bis 1954 diente dieses Gebäude als Volksschule. Das Pflegschaftsgericht wurde 1807 von der bayrischen Regierung aufgelassen. 

Die Sage erzählt, daß die Burg ursprünglich auf einer Anhöhe bei Obermauern errichtet werden sollte. Als sich jedoch zu Beginn der Arbeiten ein Zimmermann schwer verletzte und Raben die blutigen "Holzschaitern" vom Bauplatz weg auf den Hügel ober Mellitz trugen, nahm man dies als Zeichen, die "Veste" an dieser Stelle zu erbauen.

Blühender Bergbau

Der Abbau von Kupfer, Eisen, begrenzt auch von Silber und Gold reicht ins Altertum zurück. Aufzeichnungen über Schürfrechte und Abbau finden wir erst ab der späten Görzerzeit. 

Das bedeutendste Virger Erzvorkommen lag im Glaurat im innersten Mullitztal, wo man noch Stolleneingänge und Reste von Knappenhäusern findet. Der Bergbau hat vielen Menschen ein bescheidenes Einkommen gebracht. 

Um 1600 erreichte der Bergbau seine Blütezeit, der erhoffte rasche Reichtum traf aber nicht ein und viele Gruben wurden wieder stillgelegt.

Das 20. Jahrhundert

Die Weltkriege

Als Italien 1915 Österreich den Krieg erklärte, wurden die südlichen Grenzen Osttirols Kampfgebiet. Osttiroler Standschützen verteidigten ihr Land unter härtesten Bedingungen, insbesondere vom Karnischen Kamm bis zum Monte Cristallo. Die wehrpflichtigen Virger dienten vor allem in den Kaiserjägerregimentern, 42 Männer fanden als Soldaten den Tod.

1938, nach dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich wurde auch die Virger Bevölkerung in die nationalsozialistischen Organisationen eingebunden. Aus dem Kriegsdienst kehrten mehr als 60 Virger nicht mehr zurück. Der Ort selbst blieb von Kriegsereignissen verschont.

Erstes Kraftwerk am Virger Bach

Einige Private nahmen 1925 die Elektrifizierung des Dorfes in Angriff und bauten ein Kraftwerk am VIrger Bach.

Eine Straße bis Virgen

Von 1924 bis 1928 wurde eine 3 m breite Straße von Matrei nach Virgen gebaut. Eine private Kraftwagengesellschaft übernahm den Omnibusverkehr. 
Die Straße nach Prägraten wurde am 24. Juni 1933 eröffnet.

Virgen, das Hollywood von Osttirol

1929 wählte die Filmgesellschaft UFA (Berlin) das damals noch recht abgeschiedene Virgen als Drehort für den ersten deutschsprachigen Tonfilm "Der unsterbliche Lump" aus.

In den 1940-er und 1950-er Jahren folgten weitere Filme, so z.B. "Der Weibsteufel", "Die Magd von Heiligenblut", "So gefällst du mir", "Konzert in Tirol" und "Der schönste Tag in meinem Leben". Viele Virgerinnen und Virger wurde als Statisten beschäftigt und verdienten gut, ohne sich sonderlich anzustrengen.

Brände in Mitteldorf

1933 wurde fast der gesamte Ort eingeäschert, nur sieben Häuser blieben verschont. Nachdem das Feuer fast gleichzeitig an drei Eckpunkten des Dorfes ausbrach, lag eindeutig Brandstiftung vor. Schuldige konnten jedoch nie ermittelt werden.

1934 brannte es in Mitteldorf neuerlich, weitere vier Häuser wurden ein Raub der Flammen.

Die Nillbach-Mure

Im August 1945 zerstörte eine Mure im Nillbach die Pulverer Häuser, einige andere Gebäude, sämtliche Mühlen und Brücken. Dabei kamen vier Personen ums Leben. 
Die ab den späten 40er-Jahren einsetzende Wildbachverbauung an allen Seitenbächen führt zu einem wirksamen Schutz der Siedlungen.

Planung großer Projekte

Seit den 1950-er-Jahren wurden immer wieder große Projekte geplant: Das größte Speicherkraftwerk Österreichs mit einem Stausee im Kalser Dorfertal und der Ableitung der Isel und der nordseitigen Virger Bäche und ein großes Gletscherschigebiet am Großvenediger beschäftigten durch Jahrzehnte die Politiker des Tales. Zugleich sollte auch der Nationalpark Hohe Tauern in derselben Region verwirklicht werden. Die Diskrepanz zwischen Ausbau und Erschließung einerseits und Naturschutz auf der anderen Seite beschäftigten die Bevölkerung in hohem Maße und führte zu jahrelangen scharfen Diskussionen. 

Schließlich wurde das Gletscherschigebiet von der Landesregierung abgelehnt, das Kraftwerk von der Bundesregierung als unnotwendig erachtet und damit war der Weg zum Nationalpark frei.

Hochwasser in Osttirol

1965 und 1966 war Osttirol von dramatischen Hochwasserkatastrophen betroffen. 
Die Straße von Matrei nach Virgen wurde gänzlich zerstört, in unserem Gemeindegebiet hielten sich die Schäden aber in Grenzen. Der Mullitzbach bedrohte den alten Mühlingerhof und die Isel überflutete fünf Häuser in Gries.

Virgen wird Hauptschulstandort

Bürgermeister Johann Leo setzte den Bau einer Hauptschule für das Virgental durch, die im Herbst 1969 eröffnet wurde.

Neue Volksschule

Der Neubau wurde an die Hauptschule angeschlossen und 1978 bezogen. Die alte Volksschule (1951 - 1954 unter Bürgermeister Johann Bstieler gebaut) dient heute als Vereinshaus.

Die Firschnitzmure

Am Nachmittag des 7. August 1970 verwüstete eine Mure das Haus vlg. Vitaler.

Rege Bautätigkeit

1994 wurde die Landesstraße vom Dorfplatz zum Kirchplatz unterführt, die Tiefgarage und das Mehrzweckhaus errichtet sowie der Dorfplatz neu gestaltet.

1995 erfolgte der Umbau des Gemeindehauses,

1996/97 der Bau der Feuerwehr-Garagen,

1998 der Umbau des Schwimmbades und die Vergrößerung des Sportplatzes.

Das 21. Jahrhundert

Umbau der Schulen

In den Jahren 2003 bis 2006 baute die Gemeinde unter Bürgermeister Ing. Dietmar Ruggenthaler Kindergarten, Volks- und Hauptschule um. Der Turnsaal der Hauptschule wurde neu errichtet und als Mehrzwecksaal mit moderner Technik ausgelegt. Er hat sich mittlerweile als vielfältiges Veranstaltungszentrum sehr gut bewährt.

Das schönste Blumendorf Europas

Im Rahmen des europäischen Wettbewerbes Entente Florale Europe 2006 wurde Virgen imit Gold ausgezeichnet und konnte sich "Schönstes Blumendorf Europas" nennen. Mit der höchsten Punktezahl aller Teilnehmer in den Kategorien Blumenschmuck, Landschaftsbild, Umweltschutz sowie für den ausgezeichneten Gesamteindruck und das hohe Engagement honorierte die Jury die großartige Leistung der Virgerinnen und Virger!

Der neue Recyclinghof

2009 entstand an der Niedermaurer Straße ein modernes Abfall-Recycling-Zentrum. Dort ist auch der Gemeinde-Bauhof und die Obst-Pressanlage untergebracht.

Die Murenkatastrophe am Firschnitzbach

Am 4. August 2012 um 16.30 Uhr kam es nach heftigen Unwettern mit starkem Hagel im Bereich Firschnitz zu mehreren schweren Murenabgängen. Schon beim ersten Schwall wurden die Fußgängerbrücken weggerissen. Danach schien sich die Lage beruhigt zu haben, doch um 18.50 Uhr kam der große Schwall mit zahllosen haushohen Wellen. Dabei wurden mehr als 20 Objekte beschädigt und große Flächen vermurt. Durch das rasche und umsichtige Handeln der Einsatzleitung wurden mit Hilfe der Polizei und der Wildbachverbauung sofort alle gefährdeten Straßen und Brücken gesperrt sowie anliegende Häuser evakuiert, sodass Schlimmeres verhindert werden konnte. Keine einzige Person kam zu Schaden! 

Noch in der Nacht zum Sonntag begannen die Aufräumungsarbeiten, die in den darauffolgenden Tagen in beispielgebender Weise fortgesetzt wurden. Feuerwehren aus dem ganzen Iseltal, Soldaten vom Jägerbataillon 24 in Lienz und ein Pionierzug aus Linz beseitigten die ersten Schäden. Alle Geräte der einheimischen Erdbewegungsfirmen und das Baubezirksamt Lienz waren nahezu rund um die Uhr im Einsatz, um die vermurten Straßen und Wege wieder frei zu machen. In mustergültiger Nachbarschaftshilfe arbeitete die Bevölkerung zusammen und machte überall Dienst, wo es notwendig war.

 

Eine neue Sperrmauer

Das Katastrophenereignis vom August 2012 zeigte der Bevölkerung von Virgen und auch vielen Experten die Unberechenbarkeit dieses, bis dahin als ausreichend verbaut geltenden, Wildbaches auf. Um in Zukunft besser gegen Naturereignisse vor Ort gewappnet zu sein, wurde ein umfangreiches Verbauungsprojekt ausgearbeitet.

Zwischen November 2014 und Juli 2018 wurde neben dem 13 m hohen Lawinenablenkdamm eine zusätzliche Geschiebedosiersperre mit Rückhaltebecken errichtet und das Ablagerungsbecken erweitert, wodurch sich das Volumen der möglichen Geschiebeablagerung von 25.000 m3 auf ca. 74.000 m3 erhöhte.

Die Erweiterung des Friedhofes - 2017

Virgen - jenseits der Zeit

Die Landschaft rund um den sonnigen Ort Virgen hat viele spannende Geschichten zu erzählen. Es sind Geschichten von Menschen, die die Gunst des Tales im Mantel mächtiger Berge nutzen und hier leben. Eine Ausstellung im Ortszentrum von Virgen vermittelt diese Eindrücke und zeigt Besonderheiten aus der Vergangenheit bis in die Gegenwart. Weiterlesen ...

Virgen - Sonnendorf
Virgen - Sonnendorf

Zahlen / Fakten